Presseschau


Die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes widmet sich der "Sicherheit am Arbeitsplatz"

Es folgt ein Zitat der Pressestelle www.polizei-beratung.de/presse vom  27.06.2017:

 

Beschäftigte in Ämtern, wie beispielsweise der Agentur für Arbeit, aber auch in Krankenhäusern werden immer häufiger Opfer von Übergriffen: Kunden pöbeln, beleidigen, drohen, attackieren, im schlimmsten Fall verletzen sie ihre Opfer schwer - hierbei kam es bereits zu Todesfällen. Behörden- sowie Unternehmensleiter aber auch Beschäftigte können mit organisatorischen, technischen sowie baulichen Maßnahmen vorbeugen. Zwei neue Broschüren der Polizei geben Tipps.

 

„Um Übergriffen an Arbeitsplätzen mit Kundenverkehr vorzubeugen, gibt es eine Vielzahl von Maßnahmen“, sagt Gerhard Klotter, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. „Dazu gehören beispielsweise Mitarbeiterschulungen zum Umgang mit schwierigen Kunden, eine geeignete Büroeinrichtung, Alarmierungssysteme oder der eingeschränkte Zugang zum Gebäude und den Büros“, so Klotter weiter.

 

Geeignete Maßnahmen werden in der Handreichung „Gewalt an Arbeitsplätzen mit Kundenverkehr. Beschäftigte vor Übergriffen schützen“ vorgestellt. Die Leser erfahren, wie sie das Risiko für Übergriffe an ihrem Arbeitsplatz einschätzen können und welche Maßnahmen sich in diesem Fall am besten eignen, um etwaigen Übergriffen vorzubeugen. Die Handreichung richtet sich an Behördenleiter, Geschäftsführer sowie Personalverantwortliche.

 

Für Beschäftigte, die mit Übergriffen durch Kunden rechnen müssen, gibt es das Faltblatt „Gewalt am Arbeitsplatz. Wie Sie sich vor Übergriffen Ihrer Kunden schützen“. Das Faltblatt erläutert, was Beschäftigte selber tun können, um Übergriffen vorzubeugen. Dazu zählt zum Beispiel, immer nur eine Person im Büro zu empfangen oder beim Besuch schwieriger Kunden Kolleginnen oder Kollegen hinzuzuziehen. Sie erfahren außerdem auch, was in einer Krisensituation und im Anschluss daran zu tun ist.

 

„Gewalt am Arbeitsplatz ist ein ernstzunehmendes Thema“, betont Gerhard Klotter. Die Folgen können gravierend sein und - neben Verletzungen - von Hilflosigkeit, Verunsicherung, Demotivierung, Verzweiflung, Überforderung bis hin zu Stresssymptomen und posttraumatischen Belastungsstörungen reichen. Steigende Fehlzeiten, sinkende Motivation sowie ein verschlechtertes Betriebsklima können folgen, Vandalismus und Sachbeschädigungen erhebliche Kosten verursachen sowie betriebliche Abläufe stören.

 

Die Handreichung „Gewalt an Arbeitsplätzen mit Kundenverkehr. Beschäftigte vor Übergriffen schützen“ sowie das Faltblatt „Gewalt am Arbeitsplatz. Wie Sie sich vor Übergriffen Ihrer Kunden schützen“ sind kostenlos bei jeder (Kriminal-)Polizeilichen Beratungsstelle erhältlich. Sie können auch im Internet heruntergeladen werden.

Die Handreichung hier.

Das Faltblatt hier.

 

 

PROFIL PROGRAMM POLIZEILICHE KRIMINALPRÄVENTION

Das Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) verfolgt das Ziel, die Bevölkerung, Multiplikatoren, Medien und andere Präventionsträger über Erscheinungsformen der Kriminalität und Möglichkeiten zu deren Verhinderung aufzuklären. Dies geschieht unter anderem durch kriminalpräventive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und durch die Entwicklung und Herausgabe von Medien, Maßnahmen und Konzepten, welche die örtlichen Polizeidienststellen und andere Einrichtungen, zum Beispiel Schulen, in ihrer Präventionsarbeit unterstützen.

 


Deutsche Bahn reagiert auf die veränderte Sicherheitslage

"Im ersten Halbjahr 2016 sind bundesweit 950 DB-Mitarbeiter angegriffen worden,
10 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2015."

(Webseite der Deutschen Bahn am 14.7.16)

Die Deutsche Bahn reagiert unter anderem mit einem interessanten Experiment: Bodycams sollen Angriffe verhindern. Dazu mehr auf der Webseite des deutschen Konzerns. Außerdem berichtet die Tagesschau am 16.9.2016 vom geplanten Einsatz von Pfefferspray und Alarmgeräten.


Ein Kölner Chirurg berichtet der Boulevardpresse von einer Attacke

Lesen Sie hier mehr über das im Express am 27.7.2016 anschaulich beschriebene Beispiel.


Lesen Sie einen interessanten Fachartikel von Dr. D. Dienstbühl, Leiterin des FB "Bedrohungsmanagement" der Universität Darmstadt

Workplace Violence: Bedrohungsmanagement in Behörden und Unternehmen

07.07.2016. Wir zitieren eine gekürzte Fassung des Beitrags. Den vollständigen Artikel lesen Sie hier auf www.sicherheitsmelder.de. Wir danken dem

RICHARD BOORBERG VERLAG,  Stuttgart, für die freundliche Genehmigung.

...

Workplace Violence: Gewalt und Angst am Arbeitsplatz

     ... Unternehmen mit direktem Kundenbezug klagen immer häufiger über Drohgebärden und aggressive Umgangsformen. Entsprechend tendieren immer mehr private wie öffentliche Einrichtungen dazu, ein eigenes Bedrohungsmanagement zu etablieren, um Gefährdungssituationen frühzeitig wahrzunehmen und das Sicherheitsempfinden der Beschäftigten zu stärken. 

... 

      Gefährdungen am Arbeitsplatz liegen bereits in verbalen Auseinandersetzungen vor, wenn es zu Beleidigungen, Beschimpfungen und auch Drohungen gegen Mitarbeiter kommt. Diese werden häufig nicht als Gewaltakt wahrgenommen. Doch bereits Beleidigungen und Beschimpfungen können dazu führen, dass Mitarbeiter ihr Arbeitsumfeld zunehmend mit Angstempfindungen oder anderen negativen Gefühlen verbinden, was die Arbeitsleistung auf Dauer schwächt. Insofern müssen sich Behördenleitungen und Unternehmensführungen mit solchen Situationen auseinandersetzen, um die Mitarbeiter und deren subjektives Sicherheitsempfinden zu stärken und sie nach aggressiven Vorfällen zu stabilisieren. Vor allem Drohungen müssen genau differenziert werden, um eine Gefährdungseinschätzung vornehmen zu können. Androhungen sollten daher stets im Kontext zur Person, zur Situation und unter Abwägung ihrer Möglichkeiten und ihres Ziels betrachtet werden. Liegt nach dieser Betrachtung eine tatsächliche Androhung vor, muss diese auch als solche behandelt werden.

      Neben solcher verbaler Gewalt kommt es zudem auch zu physischer Gewalt, körperlichen Übergriffen oder auch sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Mittlerweile sind zahlreiche Fälle in öffentlichen Verwaltungen dokumentiert, in denen Mitarbeiter durch Externe tätlich angegriffen wurden. Die Angriffe reichen von Schlägen, dem Werfen von Gegenständen bis hin zu schweren Verletzungen oder gar Tötungsdelikten, wie 2012 im Jobcenter Neuss durch eine mitgeführte Waffe.

      Generell ist zwischen externer Gewalt, z.B. verursacht durch Kunden, Antragssteller oder Besucher, und interner Gewalt, die von Kollegen, Vorgesetzten oder Mitarbeitern ausgeht, zu unterscheiden.  ... Um diesen ganz unterschiedlichen Phänomenen von Gewalt am Arbeitsplatz begegnen zu können, richten Behörden, Hochschulen und Unternehmen seit Jahren vermehrt ein eigenes Bedrohungsmanagement / Threatmanagement ein.

 

Bedrohungsmanagement als systematisches Konzept, Beratungen und Fallmanagement

      Die Entscheidung, in einem Unternehmen oder einer Verwaltung ein Bedrohungsmanagement zu installieren, bedeutet neben den konzeptionellen Sicherheitsstandards, ein niedrigschwellig zugängliches Angebot für alle Mitarbeiter und Bediensteten einzurichten. Dabei sind drei Dimensionen für ein wirksames Bedrohungsmanagement relevant:

1. Konzeptionen und Strukturen schaffen

      Solche entstehen individuell auf die Sicherheitsbedürfnisse angepasst und sie können mit Leitfragen skizziert werden. Wie wird mit Gewalt und mit der Androhung von Gewalt umgegangen? Welche Vorgehensweisen und Verfahrensabläufe gibt es für konkrete Gefährdungssituationen (wie beispielsweise einen angekündigten Amoklauf o.ä.)? Welche Maßnahmen haben präventiven Charakter (z.B. Bürogestaltung) und welche Angebote sollten eingerichtet werden (z.B. Seminare zu bestimmten Gefährdungsphänomenen, Deeskalationstrainings etc.).

2. Beratung

      Betroffene Mitarbeiter von Gewalt sollen die Möglichkeit bekommen, sich für ihren individuellen Fall beraten lassen zu können. Dafür ist eine Basis des Vertrauens und damit einhergehende Diskretion eine unbedingte Prämisse. Das Bedrohungsmanagement ist eine erste Anlaufstelle, die regelmäßig keine Therapieangebote beinhaltet. Benötigt der oder die Betroffene weitere Unterstützung, kann das Bedrohungsmanagement Hilfesuchende überleiten an die jeweilige Fachstelle oder – je nach Unternehmenskultur – auch beispielsweise die Begleitung zur Polizei vornehmen.

3. Fallmanagement

      Jeder vorgetragene Sachverhalt ist ein Fall, der vom Bedrohungsmanagement aktiv begleitet werden sollte. Dieses impliziert stets eine erste Einschätzung, auf deren Basis zunächst eine Risikoanalyse vorgenommen und bei Bedarf mögliche Interventionsstrategien besprochen und eingeleitet werden. Das Fallmanagement arbeitet mit den Betroffenen zusammen. Dafür gibt es keine Patentrezepte, vielmehr geht es um individuelle Herangehensweisen, die pragmatisch und flexibel angewandt werden können, um risikoentschärfend zu wirken und bestmöglich die Sicherheit der Betroffenen zu gewährleisten. Dies beinhaltet beispielsweise einen Sicherheitsplan, Maßnahmen zur Deeskalation, das Implizieren juristischer Schritte oder Einschalten der Polizei.

 

Umgang mit Gewalterfahrungen: Keine Tabuisierung

      Kommt es zu Gewalt am Arbeitsplatz, sollte auf keinen Fall darüber geschwiegen werden. Stattdessen sollten Vorgesetzte und Kollegen offen über den Vorfall sprechen, denn nur so können Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Zudem entlastet das Gespräch Betroffene. Viele Opfer von Gewalt haben das Gefühl, versagt zu haben und auch dass andere, kompetentere Arbeitnehmer solche Situation besser beherrschen, als sie selbst. Entsprechend wichtig ist es, ein „Wir-Gefühl“ in der Behörden- oder Unternehmenskultur zu etablieren, in der ein Angriff gegen einen Einzelnen als ein Angriff verstanden wird, der gegen jeden dort hätte stattfinden können.

      Generell sollten Beschäftigte in einer Konfliktsituation auf gar keinen Fall Risiken eingehen und den Helden spielen. Darüber hinaus ist es wichtig, in einer eskalierenden Situation Provokationen zu vermeiden. Statt zum Beispiel dem aufgebrachten Kunden zu widersprechen, ist es besser, ihm zunächst zu signalisieren, dass sein Problem verstanden und sein Gegenüber mit ihm nach Lösungsmöglichkeiten suchen wird.

Präventionsansätze gegen Mobbing und betriebsinterne Gewalt sind eine Hauspolitik, die sich auszeichnet durch eine konstruktive Konfliktkultur, die regelmäßige Unterrichtung der Beschäftigten, Aus- und Weiterbildung der Führungskräfte und entsprechende Betriebsvereinbarungen (z.B. für Alarmierungssysteme der Beschäftigten untereinander), die das Sicherheitsempfinden stärken können.

 

Praxishinweise

  • Die Einführung von Bedrohungsmanagements in Unternehmen und Behörden trägt einem erschütterten Sicherheitsempfinden der Beschäftigen Rechnung.
  • Ziel liegt in der Prävention, der Handlungsfähigkeit zur Intervention und zur betreuten Nachbereitung bzw. dem Umgang nach einer Gewalterfahrung.
  • Das Aufgabengebiet ist entsprechend groß und facettenreich.
  • Bedrohungsmanagement impliziert regelmäßig keine Therapieangebote.
  • Das Fallmanagement wird aktiv mit den Betroffenen gestaltet.

Pressemitteilung des Bundesministeriums des Inneren vom 05.04.2016

Den Original-Artikel finden Sie auch hier online.

Konferenz "Ge­walt ge­gen Be­schäf­tig­te im öf­fent­li­chen Dienst"

Eine gemeinsame Veranstaltung des Bundesministeriums des Innern und der dbb beamtenbund und tarifunion

Annick Girardin, Verwaltungsministerin Frankreichs, Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maiziere und Klaus Dauderstädt, Vorsitzende von dbb beamtenbund und tarifunion (v. l. n. r.)

Respektlosigkeiten, Pöbeleien und Gewalttätigkeiten gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst werden nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Staaten leider immer gängiger.

Um dagegen ein Zeichen zu setzen, führen das Bundesministerium des Innern und der dbb beamtenbund und tarifunion am 5. April 2016 gemeinsam eine internationale Konferenz zur Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst durch. Zur Diskussion eingeladen sind Praktiker und Wissenschaftler. Den Vergleich zum Nachbarland Frankreich stellt Annick Girardin, Ministerin für den öffentlichen Dienst der Republik Frankreich, her.

 

De Maizière: Änderung des Bewusstseins vonnöten

Bundesinnenminister Thomas de Maizière:

"Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst können wir nicht akzeptieren und wir werden entschieden dagegen vorgehen. Der öffentliche Dienst erfüllt für die Bürgerinnen und Bürger essentielle Aufgaben, denn ohne den öffentlichen Dienst funktioniert kein Gemeinwesen. Wir benötigen eine Änderung des Bewusstseins für den öffentlichen Dienst hin zu einem respektvollen und freundlichen Umgang miteinander."

 

Girardin: Angriff auf Beamte ist Angriff auf das Zusammenleben

"Jeder Beschäftigte des öffentlichen Dienstes ist ein Bürger, der sich auf dem Hoheitsgebiet unserer Länder in den Dienst der anderen stellt," sagte die Ministerin für den öffentlichen Dienst der Republik Frankreich, Annick Girardin. "Die Zunahme der Gewalttätigkeiten und Respektlosigkeiten ist deshalb nicht hinnehmbar: ein Angriff auf einen Beamten ist ein Angriff auf das Zusammenleben, das das Wesen der Republik ausmacht. Darum stärkt das Gesetz zu Berufsethik, Rechten und Pflichten von Beamten, das ich kürzlich in Frankreich zur Verabschiedung gebracht habe, den Schutz der Beschäftigten, die in Ausübung ihrer Funktion zum Opfer von Gewalttätigkeiten und Angriffen geworden sind. Die Umsetzung dieser Schutzmaßnahmen ist unverzichtbar, doch müssen auch wir in unserer Rolle als politische Verantwortungsträger den Beamten zur Seite stehen, um sie angesichts solcher Vorkommnisse zu unterstützen."

 

Dauderstädt: Gewaltsame Übergriffe nicht hinnehmbar

Der Vorsitzende von dbb beamtenbund und tarifunion, Klaus Dauderstädt:

"Die ständig steigende Zahl von gewaltsamen Übergriffen ist nicht hinnehmbar. Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter werden alles tun, um die Beschäftigten zu schützen. In manchen Gesellschaftsschichten scheinen der Staat und seine Beschäftigten immer mehr als Gegner wahrgenommen. Da ist eine Mentalität entstanden, die hohes Anspruchsdenken und Aggressivität bei Verweigerung in sich trägt.""

 

Maßnahmenpaket und Klimaveränderung erforderlich

Zum Schutz der Beschäftigten sind eine Vielzahl von Maßnahmen erforderlich: Notwendig sind eine gute Aus- und Fortbildung der Beschäftigten, ein verstärkter Arbeitsschutz vor allem in der Prävention und Rehabilitation sowie Initiativen des Gesetzgebers, wie die von der Bundesregierung beschlossene Übernahme von Schmerzensgeldansprüchen gegen mittellose Täter und technische Maßnahmen, die sich an den Bedürfnissen der jeweiligen Behörden orientieren, wie etwa Eingangskontrollen und Maßnahmen zum Schutz der Betroffenen.

 Gemeinsam forderten alle Beteiligten eine Veränderung des gesellschaftlichen Klimas hin zu mehr Respekt untereinander.